hello world!

Braucht Selbstverteidigung jahrelanges Training?

Diese Frage wird unter Kampfsport und Selbstverteidigungsenthusiasten oft diskutiert. Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit mit einem Wing Tsun Sportler zu sprechen. Er hatte den Sport über vier Jahre betrieben und ging regelmäßig 2x die Woche zum Training. Laut seiner eigenen Aussage hatte er nun die Qualifikation die richtigen Selbstverteidigungstechniken zu lernen. Ich lud ihn zu einem Probetraining bei hammerfist Krav Maga Albstadt ein. Er war tatsächlich der Überzeugung in nur einem Training nicht ausreichend Gelegenheit zu haben Krav Maga so tief kennen zu lernen, dass er einschätzen kann, ob es was für ihn sein könnte. Mit einem Schmunzeln lud ich ihn erneut ein und er sagte zu.

4 Jahre Training bis zur Selbstverteidigung - Dein Ernst?

Mal im Ernst. Wenn Du dich abends, draußen unsicher fühlst, wenn Du als Jugendlicher in der Schule von anderen Schülern bedroht wirst, wenn Du als Frau beim Joggen alleine ein ungutes Gefühl hast, willst Du dann wirklich 4 Jahre trainieren, bist Du Selbstverteidigung lernst?

Die Idee hinter Kampfsport ist die Perfektionierung der Bewegungsabläufe. Du trainierst viele Monate Basics, lernst (je nach Kampfsport) Bretter zu zerschlagen oder Formen zu laufen. Das sieht beeindruckend aus, ist aber kaum für Selbstverteidigung anwendbar. Ich darf das sagen, denn vor über 20 Jahren habe ich selbst Taekwondo bis zum 1. Dan (schwarzen Gurt) betrieben. Ich konnte Bretter in 2,50m Höhe mit dem Fuß zerbrechen, konnte mindestens 5 Formen fehlerfrei laufen und den Spagat wie mein großes Vorbild Jean-Claude van Damme machen. Aber ich erinnere mich an eine Gürtelprüfung, ich denke es war die Blaugurt-Prüfung. Beim Sparring, also dem Kampf gegen einen Gegner war ein junger Türke aus einer anderen Schule mein Gegner. Seine Gürtel-Prüfung war für einen deutlich niedrigeren Grad, aber der hat mich wie einen Punching-Ball durch den Ring geprügelt.

Mein Fazit: 3 Jahre trainiert und im Ring krieg ich die Backen voll -> Für die Straße nur bedingt geeignet.

Der aufmerksame Leser wird nun sagen, aber für den jungen Türken hat es offensichtlich funktioniert. Dem muss ich zustimmen, zumindest wenn ich sein Gegner war.

Kann Selbstverteidigung auch schneller erlernt werden?

Natürlich! Nun willst Du sicherlich Wissen wie, oder?

Das ist relativ einfach erklärt. Egal was Du lernen möchtest, wenn Du dich auf das wesentliche beschränkst wird deine Lernkurve steiler sein als die von jemand anderem. Das bedeutet im Klartext, Selbstverteidigung lernst Du, indem aller Ballast weg gelassen wird.

Es gibt keine Formen (bsp. im Karate Katas genannt), es werden keine Bretter zerschlagen und wir trainieren nicht für einen Angriff x verschiedene Verteidigungen. Warum? Weil man das einfach nicht braucht. Schlussendlich gibt es auch keine Regeln. Warum? Weil die Straße auch keine Regeln kennt.

Ich fürchte nicht den Gegner, der 1000 Tritte 1x geübt hat
Ich fürchte den Gegner, der einen Tritt 1000 geübt hat
-Bruce Lee-

Wieso ist Krav Maga also so effizient?

Wir nutzen für die Selbstverteidigung intuitive Bewegungen, die Du seit dem Kleinkindalter schon automatisch anwendest. Diese Bewegungsabläufe verknüpfen wir nun mit Triggern (ein Trigger ist beispielsweise ein spezifischer Angriff), das Ergebnis ist eine effektive Abwehr dieser Verteidigung.

Ziel ist es, für so viele Angriffe wie möglich mit so wenig wie möglich Verteidigungen aus zu kommen. So trainieren wir wenige Bewegungsabläufe in kürzester Zeit sehr oft. Das gibt unseren Kravists Sicherheit und Selbstvertrauen.

Gibt es noch mehr Vereinfachungen?

Na klar. Im Kampfsport gibt es Regeln. Beispielsweise im Taekwondo darf mit der Faust nicht zum Gesicht geschlagen werden, geht´s noch? Im Krav Maga beschränken wir uns für Anfänger auf zwei übersichtliche, aber besonders effektive Trefferflächen, genannt Heads & Nuts. So sind selbst deutlich schwächere Personen in der Lage überlegene Gegner zu kontrollieren und zu dominieren. Dabei steht der Selbstschutz aber im Zentrum. Es geht dabei nicht um Wettkampf und gewinnen, sondern lediglich um die Frage wer steht nach dem Angriff und wer liegt am Boden?

Aber das wirkliche Geheimnis ist, dass wir nicht nur auf Techniken setzen. Wir bringen die psychische Komponente ins Training mit ein. Wir in der westlichen Welt wurden alle konditioniert keine Gewalt auszuüben. Tritt eine Situation ein, in der Selbstverteidigung notwendig ist, dann können wir dieses Wissen nicht abrufen. Du erinnerst dich an meine Blaugurt-Prüfung? Wir arbeiten aktiv am Mindset unserer Kravists. Schockstarre erlebt bei uns nur der Gegner, der vor einer Sekunde noch dachte ihm würde ein Opfer gegenüberstehen.

Ein weiterer Vorteil: Krav Maga ist "openminded"

Das heißt es gibt keine vorgeschriebenen Bewegungen ohne die Du nicht in der Lage bist die nächste Gürtelprüfung zu bestehen. Es gibt empfohlene Bewegungsabläufe, wenn Du aus welchen Gründen auch immer diese nicht kannst oder willst, dann ist das bei uns ok. Es geht nicht darum, dass Du eine Kopie des Instructors wirst, es geht einzig und allein darum, dass Du dich auf der Straße verteidigen kannst.

Übrigens die Gründe, warum jemand eine vorgeschlagene Verteidigung nicht machen will / kann können sehr vielfältig sein:

  • Du hast Probleme in der Schulter und der Bewegungsablauf verursacht bei dir Schmerzen -> das kann ja nicht zielführend sein
  • Du hast bei einem anderen Kampfsport eine für dich gut funktionierende Verteidigung gelernt, die dir besser liegt -> na das ist doch gut für dich!
  • Du kannst mit der Erklärung und Begründung nichts anfangen, es passt einfach nicht zu dir -> Ohne Überzeugung lass diese Verteidigung lieber sein!
  • usw.

Ist Kampfsport also schlecht?

Ein ganz klares nein. Es kommt auf den Kontext an. Ein Schraubendreher ist eben für Nägel nicht so gut geeignet, wie ein Hammer. Es geht also nicht um die Frage, ob Kampfsport schlecht ist oder nicht. Es geht um die Frage "Wenn ich Selbstverteidigung lernen will, was ist dann am Besten geeignet?". Diese Frage geht dann ganz klar zu Gunsten von Krav Maga.

Willst Du hingegen Körperbeherrschung trainieren und dein Wissen in regelmäßigen Prüfungen unter Beweis stellen. Oder Du willst dich in fairen Wettkämpfen mit anderen messen und den größten Pokal mit nach Hause nehmen. Oder Du willst deine Fitness und Beweglichkeit mit dem Sport steigern. Für alle diese Themen kann dir Kampfsport genau so gut oder sogar besser helfen.

Reicht also ein Krav Maga Training für wirkungsvolle Selbstverteidigung?

Jein. Ich kann dir tatsächlich alle notwendigen Techniken an einem Samstag beibringen. Du weißt danach, wie Du dich verteidigst, wie Du einen effektiven Gegenangriff startest oder wie Du gegen zwei oder mehr Gegner eine vorteilhafte Situation herbeiführst. Das und noch vieles mehr lernst Du an einem Samstag.

Jein jedoch deshalb, weil auch bei Krav Maga die Wiederholung zu schnellerer Reaktion führt. Weil auch bei Krav Maga regelmäßiges Training dein Mindset festigt, deine Schlagkraft stärkt, die Treffsicherheit erhöht und deine Ausdauer positiv beeinflusst.

Aber eines ist sicher, egal in welcher Kampfsportart, ein Samstag bis Du alle zentralen Abläufe gelernt hast, wird nicht reichen.

Lust auf ein Probetraining? Dann schreib oder ruf mich an.